Urheberrecht im Internet PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, den 01. Oktober 2009 um 00:00 Uhr

Bei der Gestaltung der eigenen Homepage scheinen der Phantasie keine Grenzen gesetzt: Die erforderlichen Programme, Schriften, Bilder, ganze Texte und Musik stehen im Internet zur Verfügung. Wer hier ohne Erlaubnis zugreift, muss mit einer Abmahnung  rechnen, die von einem Rechtsanwalt im Namen des Rechteinhabers ausgesprochen wird, regelmäßig verbunden mit hohen Kosten. Dabei wurden die Elemente, beispielsweise der Ausschnitt aus dem Stadtplan, nicht gestohlen, sondern nur kopiert. Für die berechtigten Interessen der Urheber, denen die Rechte an der Verbreitung und Vermarktung ihrer Werke zustehen, fehlt häufig das Verständnis. Wo liegt das Problem?

Zu den geschützten Werken gehören alle Produkte, die ein Mindestmaß an eigener Be- oder Verarbeitung erkennen lassen, nicht nur Kunstwerke, Melodien und wissenschaftliche Arbeiten, sondern auch Stadtpläne, private Urlaubsfotos und Datenbanken. Auf den künstlerischen Wert kommt es nicht an. Bei einer greifbaren Sache ist das leichter zu verstehen: Niemand würde einen Diebstahl an Büchern mit dem Bedarf an Informationen rechtfertigen, hier ist die Kenntnis der rechtlichen Einordnung als Diebstahl Allgemeingut. Das geistige Eigentum ist aber unabhängig von der Art der Verbreitung geschützt. Der Urheber kann allein entscheiden, ob er sein Werk veröffentlichen möchte, ob er ein Duplikat (eine Kopie, eine Fotographie oder ein Download) zulässt und ob der dafür ein Entgelt fordert. Die digitalen Medien haben das Werk von dem Werkstück als Sache entkoppelt, der Schutz des Urhebers gilt auch hier.

Dabei ist durchaus erkennbar, dass jedes Foto, jedes Musikstück und jede Graphik, die im Netz stehen, so begehrenswert erscheinen, dass sie auf die eigene Homepage kopiert werden sollen. Ob der Nutzer private oder gewerbliche Ziele verfolgt, ist dabei unerheblich. Der Grundsatz bei jeder beabsichtigten Verwendung von Bild und Ton lautet daher: es ist immer ein Urheber vorhanden, dem die Rechte zustehen. Der Regelfall ist, dass die Verwendung nur mit Genehmigung und gegebenenfalls gegen Gebühr erlaubt ist. Nur, wenn ein besonderer Hinweis darauf verweist, dass das Werk frei verwendet werden darf, kann der Download ohne weiteres starten.

Wenn ein Urheber von einer unberechtigten Verwendung seines geistigen Eigentums erfährt, bleibt ihm die Abmahnung, um sich zu wehren. Sie ist die Aufforderung an den Nutzer, die Nutzung ohne Lizenz zu unterlassen und sich für jede Wiederholung zu einer Vertragsstrafe zu verpflichten. Mit dieser Unterlassungserklärung wird die gerichtliche Auseinandersetzung vermieden, die noch höhere Kosten verursachen würde.

Dennoch ist bei Erhalt einer Abmahnung immer der Rat eines Rechtsanwalts zu empfehlen: Wer ist der tatsächlich Urheber oder Inhaber der Verwertungsrechte? Wie entstehen Die Kosten der Abmahnung  und der Vertragsstrafe? Sind sie ordnungsgemäß berechnet? Für Verbraucher wurden die hier entstehenden Rechtsanwaltsgebühren für einfach gelagerte Fälle im Jahre 2008 auf 100,00 € beschränkt. Aber was ist ein einfach gelagerter Fall?

Etwas übersichtlicher wird die Lage bei alten Werken, diese gelten nach Ablauf der Schutzfrist als "gemeinfrei". Dann darf jeder ein Werk ohne Lizenz bearbeiten und kopieren. Hier ist zu beachten, dass eine Bearbeitung wie eine Cover-Version eines Musikstückes oder ein Foto eines Kunstwerkes ein neues Werk ist, das selbständig geschützt ist. Ein neues Urheberrecht ist entstanden.

Dojo Pietsch, Rechtsanwältin

 
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